Einiges zur Region
Uraltes Siedlungs- und Kulturland ist die Zone, die den Süden Frankreichs zwischen dem Mittelmeer im Osten und dem Atlantischen Ozean im Westen begrenzt. Sie besteht aus den beiden am Löwengolf (Golf du Lion) liegenden historischen Landschaften Lanquedoc und Roussillon, die 1973 zur Region Lonquedoc-Roussillon zusammengefaßt wurden und der die Grenze zu Spanien säumenden Region Pyrenäischer Süden (Midi-Pyrénées).
Hier lebten schon während der Altsteinzeit Menschen, wie zahlreiche Funde beweisen, die bis auf die Zeit um 60 000 v. Chr. zurückgehen, so vor allem die weltbekannten Höhlenbilder im Pyrenäengebiet. Die später nachweisbaren Ligurer, mit denen im 2. vorchristlichen Jahrtausend die Bronzezeit begann, wurden im frühen 1. Jahrtausend von den über die Pyrenäen vorstoßenden Iberern und Basken unterworfen oder nach Italien abgedrängt, bis schließlich im 6. Jahrhundert v. Chr. die aus dem Norden einwandernden Kelten (Gallier) von dem Gebiet Besitz ergriffen.
Vier Jahrhunderte später eroberten die Römer das Land und verleibten es politisch, wirtschaftlich und kulturell ihrem Reich ein (Provinz Gallia Ulterior, später Gallia Narbonensis). Über ein halbes Jahrtausend lang erlebte das gründlich romanisierte Musterland des Reiches im Schutz der Pax Romana eine hohe Blüte. Auf die im 3. Jahrhundert n. Chr. beginnende Christianisierung folgten die Wirren der Völkerwanderungszeit. Auf die Westgoten (5. Jahrhundert) folgten die Araber, die schließlich Anfang des 9. Jahrhunderts den Franken weichen mussten. Nach der Teilung des Reiches Karls des Großen dem Westfränkischen Reich (Frankreich) zugeschlagen wahrte das Gebiet dennoch über Jahrhunderte hinweg seine politische und kulturelle Selbständigkeit, was zu immer neuen, häufig sehr blutigen Auseinandersetzungen mit der französischen Zentralgewalt führte. Erst im 18. Jahrhundert war die vollständige politische Eingliederung des Südwestens Frankreichs abgeschlossen.
Zeugen dieser Eigenständigkeit sind neben der Langue d`Oc, einer sich vom Hochfranzösischen deutlich unterscheidenden Sprache, die noch heute im Lanquedoc und einem Teil des Roussillon gesprochen wird, zahlreiche Baudenkmäler, aber auch altüberlieferte Sitten und Gebräuche.
Bis ins vorige Jahrhundert hinein war die von Lagunen gesäumte Mittelmeerküste zwischen Narbonne und Perpignan mit ihren malariaverseuchten Sümpfen kaum besiedelt. Doch dann wurden die Sümpfe trocken gelegt und Weingärten angepflanzt. Seit den siebziger Jahren unseres Jahrhunderts schließlich sind hier zwei der neuen großen Touristenzentren (Unités touristiques) des Lanquedoc-Roussillon im Aufbau: Leucate-Barcaès und Gruissan-Valras. Apartmenthäuser, Feriensiedlungen für Wassersportler (Marinas, teils Pfahlbauten), Sportzentren und moderne Jachthäfen locken Urlauber aus dem In- und Ausland an. Aber neben diesen modernen Einrichtungen gibt es im Küstengebiet noch so manche Sehenswürdigkeit aus vergangener Zeit.
So finden wir bei Port-Vendres die Reste eines römischen Diana-Tempels, die daran erinnern, dass hier vor zweitausend Jahren römische Galeeren ihre Fracht gelöscht haben. An einen in den Etang de Bages ragenden Felshügel geschmiegt liegt das alte Dörfchen Gruissan, das früher für den Seehandel mit Spanien bedeutsam war. Der den Ort überragenden Barbarossa-Turm ist der Überrest einer Burg aus dem 12. Jahrhundert.
In der Nähe liegt die bis 214 Meter hoch ansteigende Montagne de la Clape, ein Naturschutzgebiet mit einem Seemannsfriedhof und einer Kapelle (Chapelle des Auzils) zum Gedenken an die auf See gebliebenen Männer von Gruissan.
Das malerische Dörfchen Bages, nach dem die Lagune benannt ist, weist interessante alte Häuser und die Überreste verfallener Wehrbauten auf.
Narbonne Handelszentrum seit zwei Jahrtausenden

An der Stelle eines alten keltischen Handelsplatzes am Mittelmeer gründeten die Römer, nachdem sie Südfrankreich bis zu den Pyrenäen erobert hatten, 118 v. Chr. die dem Gott Mars geweihte Kolonie Narbo Martius, die als Verwaltungszentrum, Militärstützpunkt und Endstation des wichtigsten Verkehrswegs ins Binnenland, der Via Domitia, rasch große Bedeutung erlangte. Im Zuge der Neuordnung des Römerreiches unter Kaiser Augustus wurde die Kolonie zur Hauptstadt der neuen Provinz Gallia Narbonensis.
Ab dem 3. Jahrhundert (bis 1790) Erzbischofssitz, verlor Narbonne in westgotischer Zeit zunächst seine Rolle an Toulouse, wurde aber, nachdem Toulouse 507 fränkisch geworden war, Hauptstadt Septimaniens, das unter Karl dem Großen zum Herzogtum Narbonne wurde. Die Stadt wurde zur Hälfte den Vizegrafen von Narbonne und zur anderen Hälfte den Erzbischöfen von Narbonne unterstellt.Mit seinen geschichtsträchtigen Bauten ist Narbonne bis heute ein interessantes Ausflugs und Besichtigungsziel geblieben.
Carcassonne, eine Märchenstadt
Der älteste Teil der Stadt, die von einem mächtigen Mauergürtel umschlossene Cité am rechten Ufer der Aude, ist der schönste und besterhaltene mittelalterliche Ort Frankreichs. Er ist in aller Welt bekannt: Nach der Hauptstadt Paris und dem Mont-Saint-Michel lockt er Jahr für Jahr die meisten Besucher aus dem In- und Ausland an.
Wegen seiner strategischen Lage an einer Biegung der Aude in der zwischen dem Zentralmassiv und den Pyrenäen den Mittelmeerraum mit dem atlantischen Aquitanien verbindenden Ebene war der 150 Meter hohe Felshügel der Cité schon vor römischer Zeit von den Kelten befestigt und besiedelt worden. An der Stelle dieses Oppidums (befestigte Höhensiedlung) errichteten die Römer im 1. vorchristlichen Jahrhundert den Militärstützpunkt Colonia Julia Carasco, der den Übergang über die Aude sichern sollte. Auf die Römer folgten 418 die Westgoten, die auf dem Hügel eine ummauerte Stadt anlegten. In fränkischer Zeit wurden die Herren von Carcassonne aus dem Geschlecht der Trencavel zu unabhängigen Grafen, doch 957 trugen sie ihre Grafschaft den Grafen von Toulouse zu Lehen auf und begnügten sich mit dem Vizegrafen-Titel.
Der Pracht dieser Stadt machten im ausgehenden 12. und beginnenden 13. Jahrhundert die Religionskriege ein jähes Ende. 1247 erlaubte König Ludwig der Heilige den Einwohnern der fast völlig zerstörten Cité, sich am anderen Ufer der Aude neu anzusiedeln. So entstand die schachbrettartig angelegte Unterstadt (Ville basse), die im späten 13. Jahrhundert ummauert wurde. Ab 1270 wurde auch die Oberstadt wieder aufgebaut. Der alten Stadtmauer wurde ein äußerer Mauerring mit mächtigen Wehrtürmen vorgelagert, der die Cité praktisch uneinnehmbar machte.Wenn möglich sollte man einen Besuch dieser Stadt einplanen.
Perpignan Nabel der Welt?
Zwar kann man bezweifeln, ob der Bahnhof von Perpignan, wie Salvador Dali einmal behauptet hat, der Nabel der Welt ist, aber ganz sicher ist Perpignan eine eindrucksvolle, faszinierende, von pulsierendem Leben erfüllte Stadt zwischen Meer und Gebirge, eingerahmt von Weinbergen, Obstplantagen und Gemüsefeldern.Einst Königshauptstadt und heute Handelszentrum, weist Perpignang zahlreiche Zeugnisse einer langen, wechselreichen Vergangenheit auf. Diese läßt sich zurückverfolgen bis hin zu einer keltischen Siedlung namens Ruscino, die später von den Römern, nachdem hier die Via Domitia die Têt überquerte, zur befestigten Straßenstation ausgebaut wurde. Aus Ruscino wurde Rosseló, das 859 zerstört wurde, aber der mittelalterlichen Grafschaft Roussillon ihren Namen gegeben hat. Hauptort der Grafschaft wurde dann im 10. Jahrhundert das in der Nähe am Zusammenfluß von Basse und Têt gelegene, aus der Villa Perpiniani hervorgegangene Perpignan, das durch den blühenden Handel mit der im Umland gedeihenden, im ganzen Abendland begehrten Färberröte rasch zu Wohlstand kam.
Wie das gesamte Roussillon gehörte Perpignan zunächst zur Grafschaft Barcelona und ab 1172 zum Königreich Aragonien. 1262 bildete Roussillon zusammen mit den Balearen das Königreich Mallorca, und Perpignan wurde neben Palma de Mallorca zur zweiten Hauptstadt des Reiches, aber 1349 fiel das Gebiet an das Königreich Aragonien zurück. Jahrhundertelang war fortan das Roussillon, das der französische König Ludwig XI. 1462 durch Kauf erwarb, ein Zankapfel zwischen Frankreich und Aragonien (Spanien), bis schließlich nach mehreren Kriegen das gesamte Gebiet nördlich der Pyrenaen 1659 durch den Pyrenäenfrieden zum Reich Ludwigs XIV. kam.
Weitere Sehenswürdigkeiten und Ausflugtipps
Bezier die Stadt des Weines mit der Wehrkirche Saint-Nazaire. Übrigens wurde hier Pierre-Paul Riquet (1604-1680) geboren, der den alten Plan aufgriff, das Mittelmeer durch einen Kanal mit dem Atlantik zu verbinden (Canal du Midi).
Einen Abstecher lohnt auch das unweit der Stadt gelegene Oppidum d`Ensérune, eine verfallene Stadt aus vorrömischer Zeit auf einem 118 Meter hohen Hügel, auf dem seit dem Jahr 1915 Ausgrabungen vorgenommen werden. Die ummauerte Stadt geht wahrscheinlich auf das 6. vorchristliche Jahrhundert zurück und hatte zur Zeit ihrer größten Ausdehnung mindestens achttausend Einwohner.
Grotten, besonders die Grotte de Clamouse und die Grotte Caprespine.
Safaripark in Sigean, besonders für Kinder geeignet.
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